Innovationsprozesse und Methoden intelligent für den Unternehmenserfolg nutzen

Dass Innovation die Triebfeder ist, die das Uhrwerk eines Unternehmens am Laufen hält, ist eigentlich klar – oder vielleicht doch nicht? Einer Deloitte-Studie zufolge, die die Auswirkungen der Industrie 4.0 auf Unternehmen untersuchte, setzen tatsächlich nur 29 % der befragten deutschen Führungskräfte ihren Fokus auf Innovationsmanagement. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland damit unter dem Durchschnitt von 40 %. Ein grundsätzliches Problem scheint dabei die Kurzsichtigkeit von Unternehmen zu sein. Rund 40 % Prozent der Top-ManagerInnen gaben an, das nicht über mehr als 5 Jahre hinaus gedacht werde. Was vielen UnternehmerInnen nicht bewusst ist: Innovationsmethoden erleichtern kreatives und weitsichtiges Handeln ungemein und können gleichzeitig schnell Erfolge verbuchen. Innovationen und zeitlich gestauchte Prozesse müssen sich also keinesfalls ausschließen.

Das Wichtigste in Kürze

Die Innovationskraft wird für Unternehmen zunehmend zur entscheidenden Schlüsselkompetenz. Doch viele mittelständische oder große Unternehmen ruhen sich immer noch auf trägen Prozessen und eingefahrenen Strukturen aus. Abgucken können sie sich etwas von der Dynamik in der Startup-Kultur. Agile Strukturen und praktische Innovationsmodelle verbergen großes Potenzial zur Steigerung von Effizienz und Produktivität.

Prozessorientiertes Handeln bewusst promoten

Intrapreneurship fördern

Mit wachsender Größe verkomplizieren sich zunehmend die unternehmensinternen Strukturen, die Unternehmensführung wird zur Herausforderung. Häufig geht das zulasten von abteilungsübergreifender Kommunikation, der Innovationskultur und Ideengenerierung. Denn die Motivation und Ausdauer, Innovationen durchzusetzen, bleibt häufig zwischen verschiedenen Instanzen hängen und verliert sich dann langsam, aber sicher aus den Blicken der MitarbeiterInnen. Wird Ideenmanagement wie Intrapreneuring im eigenen Unternehmen nicht gefördert, bleiben kreative Ideen und Verbesserungsvorschläge häufig auf der Strecke. Dabei gibt es in jedem Unternehmen unternehmerisch denkende Menschen, die die Firma mit ihrem strategischen Denken effizient vorantreiben könnten. Unternehmen, die bereits Intrapreneur-Programme in ihre Unternehmenskultur integriert haben, sind in Sachen Innovationskraft klar im Vorteil. Ein gutes Beispiel ist DB Intrapreneurs, ein Konzept der Deutschen Bahn AG, das schon Geschäftsideen wie das Elektrolastenrad We Colli hervorbrachte.

Mit dem Promotorenmodell Klarheit schaffen

Einen guten Überblick über die an Innovationsprozessen maßgeblich beteiligten Instanzen bietet das Promotorenmodell. Dieses kann sowohl als Optimierungstechnik verwendet werden, als auch auf simple Weise herausstellen, an welchen Positionen im Unternehmen der Schuh drückt. Damit kann es als Anstoß für künftige Projekte im Bereich Intrapreneurship herangezogen werden.

Der Begriff Promotoren beschreibt Personen, die maßgeblich an der Gestaltung von Innovationsprozessen teilnehmen und diese in der Durchführung und Bereitstellung von Ressourcen unterstützen. Die Überwindung der im Rahmen dieser Tätigkeiten auftretenden Widerstände fallen ebenfalls in ihren Aufgabenbereich. Die Beteiligten können vier Kategorien zugeordnet werden: Machtpromotor, Fachpromotor, Prozesspromotor und Beziehungspromotor.

Machtpromotor

  • Vorstand/Geschäftsführung
  • Überwindet Barrieren des “Nicht-Wollens” in der Organisation
  • Macht entspringt Anreizen und Sanktionen/Überzeugungskraft
  • Fähigkeit Ressourcen verfügbar zu machen

Fachpromotor

  • FachexpertInnen des Unternehmens
  • Eliminiert Barrieren des “Nicht-Wissens”

Prozesspromotor

  • VertreterIn des mittleren Managements
  • Überwindet organisatorische Barrieren
  • Koordination intra-organisationaler Prozesse
  • Schlichtung von Abstimmungsproblemen

Beziehungspromotor

  • Socializer mit hoher sozialer Kompetenz
  • Stellen internes und externes Netzwerk zur Verfügung
  • Überwindet Probleme in Kooperation und Support mit Know-how und Expertise

Innovationsprozesse im Projektmanagement unternehmensintern stärken

Ist das Bewusstsein für die Problemstellen und Barrieren erst einmal geweckt, gibt es die verschiedensten Methoden für ein agiles Innovationsmanagement, die das Unternehmen und seine Mitarbeiter in seinen Innovationsprozessen stärken und unterstützen.

Stage Gate Prozess

So bietet bspw. die Stage Gate Prozess-Methode ein standardisiertes Prozessmodell, welches zur Entwicklung von Produktinnovationen genutzt werden kann. Die Anwendung des Stage Gate Prozess-Modells ist dann besonders sinnvoll, wenn die Kommunikation und das kollaborative Arbeiten zwischen verschiedenen Prozessoren gestärkt werden sollen. In interdisziplinären Teams werden die Phasen des Innovationsprozesses von der Entwicklung bis zur Produkteinführung in bereichsübergreifenden Aktivitäten gesteuert. Wie der Name schon vermuten lässt, unterteilt das lineare Modell die Innovationsvorhaben in Abschnitte, sogenannte “Stages”. Die zwischengelagerten “Gates” symbolisieren Entscheidungsphasen, in denen nach vordefinierten Kriterien wichtige Entscheidungen über das Projekt getroffen werden. Typischerweise umfasst das Modell 10 Phasen:

  1. Idea Screen Beurteilung von Produktideen 
  2. Preliminary Investigation Vorläufige Untersuchung 
  3. Second Screen Zweite Beurteilung 
  4. Detailed Investigation Genaue Untersuchung 
  5. Decision to Development Entscheidung über Entwicklung 
  6. Development Entwicklung 
  7. Decision to Test Entscheidung über Testphase 
  8. Testing and Validation Test und Validierung
  9. Decision to Launch Entscheidung zur Produktion 
  10. Launch Produktion und Vermarktung

Social Collaboration

Einen Weg, um auf digitaler Ebene kollaborativer zusammenzuarbeiten, bieten Social Collaboration Tools. Diese ermöglichen die Zusammenarbeit im Team über eine für alle MitarbeiterInnen zugängliche Plattform, aber auch stärkere Kundeneinbindung in den Innovationsprozess. Die Software reduziert zwar die persönlichen Treffen, jedoch keinesfalls den Austausch über die gemeinsame Arbeit. Social Collaboration setzt es sich zum Ziel, durch die Kommunikationsförderung die Effizienz von Unternehmen zu steigern. So eröffnet die asynchrone Zusammenarbeit ganz neue Möglichkeiten bei zeitlicher und räumlicher Trennung und wirkt sich positiv auf die Unternehmenskultur und damit die Innovationskraft und Agilität von Unternehmen aus. Die Deutsche Social Collaboration Studie 2019 ergab, dass nicht nur immer mehr MitarbeiterInnen Social Collaboration in ihren Arbeitsalltag integrierten. Auch steigerte das Modell die Effizienz um bis zu 50 % mehr als bei den KollegInnen, die die Technologie nicht nutzten.

Scrum Teams

Digitale Technologien, die die Kommunikation erleichtern, funktionieren besonders gut im Zusammenspiel mit anderen Entwicklungsmethoden, wie bspw. Scrum Teams. Scrum Teams sind zusammengesetzt aus selbstorganisierten Gruppen, die ohne ProjektleiterIn in der Projektentwicklung aktiv werden. Die Entwicklerteams arbeiten in Zyklen von 1-4 Wochensprints und vermerken Störfaktoren für die Entwicklung im Sprint-Backlog. Die Arbeitsweise lässt ungestörte Arbeitszyklen zu, in denen der Produktverantwortliche keinen Eingriff in die Entwicklung nehmen darf. Das Ergebnis sind idealerweise effiziente und schnelle Lösungen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Scrum_process-de.svg

Innovation Labs

Im Grundsatz der ungestörten Arbeit und kreativen Entwicklung durch zeitweise “Abschottung” von der Außenwelt gleicht Scrum Teams dem Prinzip von Innovation Labs. Die Labs fungieren als geschützter Raum, der abgenabelt von der klassischen Unternehmenskultur existiert. Innovation Labs können als Spezialeinheit gesehen werden, die organisiert sind, um innovative Produkte und Dienstleistungen physisch oder virtuell effizient zu erdenken und umzusetzen. Sie ermöglichen die Arbeit an radikalen Ideen, die wie in einer Blase, geschützt von äußeren Einflüssen getestet werden können. Häufig wird hier das Undenkbare greifbar  und Konzepte auf Hochgeschwindigkeit marktfähig gemacht.

Weniger ist mehr – schlanke Produktentwicklung mit Lean Innovation, MVP & Co

Um schnelle, präsentable Ergebnisse zu erzielen, sollten Unternehmen auf Innovationsmethoden wie Lean Innovation oder Minimum Viable Product setzen. Hierbei konzentriert sich das Entwicklerteam auf die zentralen Punkte eines Produkts oder einer Dienstleistung. Konzepte enthalten nur die wichtigsten Inhalte. Lean Innovation basiert auf dem Ansatz von Lean Thinking und macht sich folgende Grundbausteine zum Vorgehensprinzip:

Strategie und Performance
Eindeutige Innovationsstrategien, 
Fokus auf KundInnen-Benefit, 
Innovation Roadmap schaffen

Stärkung von Innovationsteams
Bereichsübergreifende Kollaboration, 
Ausbau von Wissen und Teamwork, 
Nutzung kreativer Fähigkeiten

Effiziente Prozesse
Einfache und klare Innovationsprozesse schaffen, 
Methoden wie Open Innovation und Co-Creation für externe Ideen anwenden

Kontinuierliche Verbesserung
System der kontinuierlichen Verbesserung, 
Starke Interne Kommunikation, 
→ Belohnung von Wandel und Transformation

Die Minimum Viable Product Methode setzt noch stärker als Lean Innovation auf die Reduktion der Inhalte auf die wichtigsten Punkte. Ähnlich wie beim Prototyping im Design Thinking soll möglichst schnell ein vorläufiges Produkt erstellt werden, das die nötigsten Eigenschaften besitzt. Der minimale Aufwand auf provisorischer Basis spart nicht nur Ressourcen in Form von Zeit, Arbeit und Geld. Es ist gleichzeitig auch eine risikoarme Variante, die den Entwicklungsprozess beschleunigt und eine frühe Markteinführung als Prototyp, Betaversion o. Ä. ermöglicht. Dropbox hat es mit MVP vorgemacht: 2007 ging die Cloud als vorläufige Landingpage mit einer simplen Software online. Nachdem sich bereits in kürzester Zeit rund 50.000 Interessenten angemeldet hatten, aktualisierte Dropbox sein Angebot und gewann damit einen Zulauf von 70.000 weiteren InteressentInnen innerhalb eines Tages.

Die interaktive Wertschöpfung steigern – mithilfe von Co Creation & Lead User

Über unternehmensinterne Innovationsansätze und -Methoden hinaus bietet die direkte Zusammenarbeit mit UserInnen große Chancen in der Ideengenerierung und Entwicklung. Crowdsourcing oder Open Innovation sparen nicht nur Kosten, Projekte lassen sich auch viel schneller verwirklichen. Außerdem ermöglichen sie eine intensivere Kundeneinbindung. Dank der breiteten Diversität der Masse finden sich hier oft interessante Vorschläge und Lösungen, die in die Projektentwicklung von Unternehmen gewinnbringend aufgenommen werden können. Möchte man eine spezifische Ausrichtung an den NachfragerInnen vornehmen, die das Produkt letzten Endes mit hoher Wahrscheinlichkeit nutzen werden, bietet Lead User die Anleitung für eine wechselseitige Kommunikation. Die von Eric von Hippel entwickelte Methode des Innovationsmanagements setzt auf die Identifizierung technologischer Trends und die systematische Integration potenzieller Lead User in den Innovationsprozess. Die Untersuchung auf Nachfragesog-Basis ermöglicht, die Bedürfnisse und die Kaufbereitschaft von potenziellen UserInnen schon vorab zu erkennen und diese für die Produktentwicklung zu nutzen.

Back to the Roots –  Was wir von Startup-Strukturen lernen können

Alle vorgestellten Methoden haben wohl eine Sache gemeinsam: Sie setzten auf Diversität, schnelle und greifbare Erfolge, Prototyping in verschiedenen Formen, eine hohe Kommunikationsdichte sowie große Kundennähe. Dass der Trend wieder zurückgeht zu rudimentären Produkten, die in Gruppen mit flachen Hierarchien entstehen, ist mit Sicherheit auch der in den letzten Jahren zunehmend an Popularität gewinnenden Startup-Kultur zu verdanken. Kleinere Teams arbeiten besser zusammen, können Anregungen schneller umsetzen und testen ihren Markterfolg zuerst in einer frühen Phase, bevor sie aufs Ganze gehen. Die große Varietät an Innovationsmodellen zur Prozessoptimierung und agilen Strukturierung zeigt nur, wie wichtig Flexibilität und Innovationskraft auf dem modernen Markt sind. Das auch Startups mit Programmen wie Company Building und Startup Accelerator von der Erfahrung von Großkonzernen profitieren können, ist ebenso logisch wie umgekehrt große Unternehmen mit agilen Strukturen, wie sie in Startups zu finden sind, erfolgreicher werden.

Sie glauben, dass in Ihrem Unternehmen noch mehr Innovationspotenzial steckt? Wir helfen Ihnen, es an die Oberfläche zu locken und befreien Sie von unnötigem und hinderlichen Ballast in den Prozessstrukturen Ihres Unternehmens. So profitieren Sie und Ihre Mitarbeiter in Zukunft langfristig von einer produktiven Innovationskultur. Gerne coachen und beraten wir Sie auch in allen Fragen rund um Innovations- und Ideenmanagement, Produktdesign und -Einführung, den verschiedenen Kreativ- und Innovationsmethoden uvm. Schreiben Sie uns, und gemeinsam erobern wir bisher ungeahnte Marktnischen.

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