Digitale Identitäten – Wie setzt Deutschland E-Government um?

Unser Leben wird immer digitaler und einfacher. Doch der Gang zum Amt ist immer noch zeitaufwendig und kompliziert. E-Government-Anwendungen scheitern an einer fehlenden Möglichkeit der sicheren digitalen Verifizierung. Bislang! Neueste Technologien versprechen die Entwicklung einer digitalen Identität nach höchsten Sicherheitsstandards. Dokumente auf dem Sofa beantragen? Nur noch eine Frage der Zeit!

Das Wichtigste in Kürze

Um einen unkomplizierten und zeitlich sowie räumlich unabhängigen Zugang zu den Leistungen des Staates zu ermöglichen, bedarf es einer smarten Stadtverwaltung und eines sicheren digitalen Authentifizierungsverfahrens. Dazu arbeitet die Bundesdruckerei gemeinsam mit zahlreichen Partnern an einem generalisierten Ökosystem rund um eine sichere digitale Identifikationslösung. Durch die Entwicklung der notwendigen Technologie, Infrastruktur und des nötigen Schutzniveaus sollen neben bedienungsfreundlichen E-Government-Leistungen auch viele weitere Dienste für BürgerInnen ermöglicht werden.

Was ist E-Government? 

E-Government steht für Electronic Government. Gemeint ist damit die elektronische Kommunikation zwischen Ämtern und Menschen. Der verstärkte Einsatz innovativer Technologien soll BürgerInnen einen unkomplizierten Zugang zu den Leistungen des Staates ermöglichen und Verwaltungsprozesse effizienter gestalten. Ein bereits erfolgreiches Beispiel für eine einfache und digitale Anwendung ist die Online-Steuererklärung. Mithilfe von smarten Stadtverwaltungen sollen in der Zukunft zeitraubende Besuche im Amt überflüssig werden und Prozesse schneller und einfacher werden. So sparen BürgerInnen Zeit, die sie für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens benötigen.

Wie smart sind Deutschlands Verwaltungen?

E-Signatur, Online-Ausweisfunktion und AusweisApp. Schaut man sich den Status Quo in deutschen Stadtverwaltungen an, dann scheint es, als wäre bereits einiges getan. Dennoch, die Zahlen zeigen ein widersprüchliches Abbild. Im Jahr 2019 wurden zwar bereits in 23 Millionen Ausweisen die Online-Ausweisfunktion aktiviert, doch die notwendige Software des Bundes wurde nur knapp zwei Millionen Mal heruntergeladen. Diese Möglichkeiten bietet Deutschland bislang:   

Personalausweis mit RFID-Chip 

Bereits seit 2010 enthalten die deutschen Personalausweise einen RFID-Chip. RFID steht für radio-frequency identification und beschreibt die berührungslose Funkübertragung von Daten. Der RFID-Chip, der in den Personalausweisen enthalten ist, speichert Personaldaten und biometrische Daten wie ein Lichtbild und Fingerabdrücke. Er bildet die Voraussetzung für die Online-Ausweisfunktion.

AusweisApp2

Die AusweisApp2 ist die Software zur mobilen Nutzung der Online-Ausweisfunktion. Mit der App können NutzerInnen ihren Ausweis bequem auf ihr mobiles Endgerät übertragen und sich ohne zusätzliche Hardware wie Lesegeräte für E-Government-Anwendungen ausweisen. Ermöglicht wird die Übertragung durch den Chip im Personalausweis und einem kompatiblen Chip in unseren Smartphones.  

E-Signatur 

Zusätzlich haben BürgerInnen die Möglichkeit, eine rechtskonforme elektronische Signatur zu erstellen. InhaberInnen können so digitale Dokumente wie E-Mails oder PDF-Dateien online rechtsverbindlich unterschreiben und verschlüsseln. So können Unternehmen, BürgerInnen und Behörden untereinander Geschäfte und E-Government-Leistungen abschließen.

Woran scheitert E-Government in Deutschland?

Die Technologie für die Nutzung von E-Government-Diensten steht bereit. Dennoch zeigt die Anzahl der NutzerInnen, dass es bei der Umsetzung zu Schwierigkeiten kommt. Bereits bei der Übertragung der Identitätsdaten von Personalausweisen auf Smartphones treten die ersten Probleme auf. Der Chip im Smartphone, das sogenannte Secure Element, dass alle sicherheitsrelevanten Informationen verschlüsselt und speichert, ist in vielen Fällen nicht kompatibel mit dem Chip des Personalausweises. Die Hersteller der Sicherheitschips in den Endgeräten müssen dazu zunächst die Ausweisfunktionen freischalten.

Doch auch die Nutzung eines Kartenlesegerätes am Desktop und der Einsatz eines Lesegerätes für die E-Signatur sind nicht unbedenklich, da Lesegeräte privater Anbieter keinen ausreichenden Schutz gewähren. Hinzu kommt, dass die Kommunen bislang selbst über die Bereitstellung von digitalen Diensten entscheiden und die Einigung auf einen gemeinsamen Standard ein langwieriger Prozess ist. Während BürgerInnen in einigen Landkreisen bereits online einen Umzug melden und die Briefwahl beantragen können, fehlt es in anderen Kreisen gänzlich an Angeboten. Bundesweit gleicht das Angebot einem Flickenteppich.

E-Government – Bald Pflicht statt Kür

Deutschland hinkt hinterher. Im Bereich der digitalen Verwaltung herrscht Nachholbedarf. Während die Umsetzung von E-Government-Diensten bislang aus Innovationsgeist heraus stattfand, verpflichtet das Onlinezugangsgesetz der Bundesregierung die Städte nun zum Handeln. Im August 2017 in Kraft getreten, bewegt das Gesetz zur Verbesserung des Onlinezugangs zu Verwaltungsleistungen Bund und Länder, ihre Verwaltungsleistungen bis Ende 2022 zu digitalisieren. Konkret müssen 575 Verwaltungsleistungen auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene digitalisiert werden und eine IT-Infrastruktur geschaffen werden, die allen NutzerInnen den Zugriff auf E-Government-Leistungen ermöglicht. Oberste Priorität hat bei der Umsetzung die Anwenderfreundlichkeit. Dadurch sollen mehr BürgerInnen für die Nutzung von digitalen Verwaltungsdiensten gewonnen werden.

OPTIMOS, OPTIMOS 2.O und ONCE

Mit den Projekten OPTIMOS, OPTIMOS 2.O und dem jüngsten Folgeprojekt ONCE erprobt die Bundesdruckerei mit zahlreichen Partnern Möglichkeiten, digitale Identifikationsverfahren nutzerfreundlich und für weitere Bereiche einsetzbar zu machen. In den Projekten wurde ein offenes und praxistaugliches Ökosystem für sichere Identitäten erprobt. Dieses soll die Technologie und Infrastruktur für sichere Online-Authentifizierung der Bundesdruckerei auch für andere Anbieter und Dienste bereitstellen, damit Anbieter digitale Identifikationsnachweise mit einem offiziellen Schutzniveau nach der EU-Verordnung nutzen zu können. Entscheidend waren dabei Standardisierungsanforderungen und unter anderem die Entwicklung eines sogenannten Trusted Service Managers. Indem Schnittstellen zu allen relevanten Anbietern und Mobilfunknetzbetreibern bereitgestellt werden, soll die bequeme Übertragung des Personalausweises auf verschiedene Smartphone-Arten sichergestellt werden. In Zukunft sollen auf diese Art und Weise ebenfalls der Führerschein und die Krankenversicherungskarte Einzug in unsere Smartphones finden und digital genutzt werden.

Nicht nur Stadtverwaltungen benötigen ein sicheres digitales Verifizierungsverfahren. Im Allgemeinen verbirgt das Internet im Umgang mit Identitäten nie da gewesene Freiräume und Risiken. Woher weiß ich, mit wem ich es online wirklich zu tun habe? Mit Benutzernamen und Passwörter erhalten wir online selbsterklärte Identitäten. Doch in sicherheitskritischen Fällen reicht das Vertrauensniveau eines einfachen Kundenkontos oftmals nicht aus. Dank verifizierter Identitäten durch intelligente Identifikationslösungen können wir uns in Zukunft sicherer im digitalen Umfeld bewegen. Digitale Identitäten halten über das E-Government heraus viele Chancen für einen vertrauensvollen Umgang im Internet bereit. Dennoch, auch ein anonymer Ausflug ins Internet sollte weiterhin möglich sein. Allen NutzerInnen sollte es stets freigestellt sei, wann man die e-ID für sicherheitskritische Fälle einsetzt und gleichsam wann man von Anonymität gebrauch machen will.

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